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>>Martin Kippenberger: "Ihr Kippy Kippenberger", Ausstellung in der Galerie Grässlin vom 28.1.06 bis 4.3.2006
>>Pressemitteilung

„Ihr Kippy Kippenberger" - so unterzeichnet Martin Kippenberger die Briefe, die er während seines zehnmonatigen Aufenthalts in Florenz (1976/77) an die Hamburger Filmautorin Gisela Stelly schreibt. Der Dreiundzwanzigjährige ist nach Florenz gegangen, um Künstler zu werden. Wegen seiner Ähnlichkeit mit Helmut Berger denkt er zunächst an eine Schauspielerkarriere. Obwohl er später in einem Film von Gisela Stelly, „Liebe und Abenteuer", tatsächlich als Wachmann mit Schäferhund auftritt, arbeitet er in Florenz vor allem an einer Serie schwarzweißer Fotovermalungen, „Un Tedesco in Firenze". Sie zeigen mit überraschender Deutlichkeit bereits den späteren Kippenberger: krude Motive aus Florenz - bevölkert mit entsprechenden „Originalen" wie Parkwächtern und Kellnern -, die aus der Bildfläche springen wie Korken. Doch das Malen reicht dem jungen Künstler schon damals nicht: er entwickelt weitergehende „Ideentafeln".

Die Ausstellung „Ihr Kippy Kippenberger" zeigt, wie sich Kippenberger anlässlich des frühen Florenzaufenthalts als genialer Alltags- und Allesverwerter entpuppt und die roten Fäden spinnt, die seinen folgenden Jahren Orientierung geben. Sie kann mit einer Fülle bisher unbekannter Dokumente aus dem Besitz von Gisela Stelly aufwarten: mit Briefen, Postkarten, Zeichnungen, Bildcollagen, Kartons mit aufgeklebten Fotos der „Un Tedesco in Firenze"-Bilder, Filmausschnitten und vier Florenz-Bildern zu den entscheidenden Themen „Liebe", „Wohnen", „Essen", „Malen".

Im Jahr der großen Kippenberger-Retrospektiven von London und Los Angeles ist diese Ausstellung eine Hommage im Medium des „Privaten". Sie lässt die Geburt eines glänzenden Selbstdarstellers und scharfen Gesellschaftsanalytikers miterleben, der in Briefen und Postkarten seinen bereits voll entwickelten Sprachwitz unter Beweis stellt: „Hab heute Morgen von Ihnen geträumt = Das war nicht ohne. Alles Gute - Ihr Kippy".

(So findet sich in Kippenbergers Aufrechnung der Abenteuerbilder in Öl, die der zurückgekehrte Künstler Gisela Stelly 1978 in verführerischer Stückelung und selbstbewusster Kalkulation anbietet, der versöhnende Nachsatz: „Ich hoffe die Preise haben keine deprimierende Wirkung auf Sie".)

Zur Ausstellung erscheint ein Buch, das sämtliche gezeigten Dokumente abbildet, nebst Transkriptionen von Briefen und Postkarten (Vorworte von Gisela Stelly und Rudolf Schmitz).

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